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Literatur … an einem Ort tief in uns

Allem, was sich mit Worten sagen lässt, kann mit Worten widersprochen werden, was also sollen wir mit Abhandlungen, Romanen, Literatur? Oder anders formuliert: Wovon man sagt, es sei wahr, von dem lässt sich auch immer sagen, es sei unwahr. Das ist ein Nullpunkt und der Ort, von dem aus sich der Nullwert ausbreitet. Doch dies ist kein toter Punkt, auch nicht für die Literatur, denn die Literatur besteht nicht nur aus Worten, die Literatur ist das, was die Worte im Leser erwecken. Es ist diese Überschreitung, die Literatur gültig macht, nicht die formale Überschreitung an sich, wie viele glauben. Paul Celans chiffrenhafte und rätselhafte Sprache hat nichts mit Unzugänglichkeit oder Hermetik zu tun, im Gegenteil, es geht darum, etwas zu öffnen, wovon die Sprache sonst keinen Zugang hat, das wir aber dennoch, an einem Ort tief in uns, erkennen oder wiedererkennen oder, wenn nicht das, entdecken.

Karl Ove Knausgard in LIEBEN

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